Mimis Passbild
Sommer 2005 ... Muttis Personalausweis war damals abgelaufen und sie hatte von der Stadtverwaltung einen „Meckerbrief“ erhalten, sie solle umgehend einen Ausweis beantragen, sonst gibt’s ein Bußgeld. Sie war völlig „von der Rolle“. Mutti war damals schon sehr krank und konnte ihre Wohnung nicht mehr verlassen.
Also suchte ich aus dem Telefonbuch die Nummer eines Fotografen in der Nähe, der auch Hausbesuche machte und vereinbarte einen Termin.
Am Tage der Foto-Session stand Mutti völlig aufgeregt vor ihrem Kleiderschrank: „Ich hab nichts anzuziehen“. Wir suchten und probierten. Nach einiger Zeit hatten wir uns dann für das blaue Pünktchenkleid entschieden. Gerade noch rechtzeitig als es klingelte. Da stand nun ein ältliches Männlein mit grauem Ziegenbärtchen, in bunten Bermudas und Jesus-Latschen vor der Tür und stellte sich als Fotograf vor. Ein Bild für die Götter. Mutti und ich grienten uns an.
Schön und gut, ein weißes Bettlaken wurde über die Stubentür gehangen und Mutti auf einem Höckerchen davor platziert. Erstmal saß sie da, wie ein Häufchen Unglück und sollte freundlich in die Kamera sehen.
Jedesmal, wenn der Fotograf nun ganz hochwichtig tat und auf den Auslöser drückte, bekam Mutti einen Lachanfall. Auch ich konnte mir das Kichern kaum noch verkneifen. Und wieder ein Bild verpfuscht. Unser Fotograf kam sich ziemlich veralbert vor und beäugte uns misstrauisch. Nach einer halben Stunde dann hatten wir ein so halbwegs brauchbares Bild zustande gebracht.
Als er endlich wieder weg war, haben wir uns bestimmt noch eine halbe Stunde über das Ganze amüsiert und gegackert wie Teenies.

