Kindermund
Bei jeder Familienveranstaltung wurde folgendes erzählt:
Mein Sohn, ca. 3 Jahre alt, wurde aus der Kinderkrippe abgeholt. „Was gabs denn heute Mittag zu essen?“ fragte ich. (Es gab Hühnerfrikassee) „Geflügeltes Fleisch, das sah aber aus wie Broiler.“ (Broiler = DDR-Begriff für Brathähnchen)
Montag früh: uns kam ein Mädchen aus der Kindergartengruppe entgegen gesaust „Michi, Michi, bist du aber groß geworden.“
Im Urlaub: Töchterlein war etwa 4 Jahre alt. Wir wollten in einer Gaststätte zu Mittag essen, aber sie musste mal fix auf die Toilette. Die befand sich eine Etage tiefer, wir mussten an der Herrentoilette vorbei und die Tür stand offen. Sie guckte kurz … Ruhe … auf dem Rückweg guckte sie wieder … immer noch Ruhe. Oben in der Gaststätte wieder angekommen, stellte sie ganz laut fest: „Ich verstehe aber nicht, warum die Männer immer ins Waschbecken pullern.“
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Zu DDR-Zeiten gab es Obst, wie Pfirsiche oder Melonen selten. Sobald ich an einem Obstladen eine Schlange sah, hieß es „raus aus der Straßenbahn und anstellen“. So hatte ich nach langer Warterei zwei Pfirsiche ergattert, da ich ja zwei Kinder vorweisen konnte. Zu Hause dann wurden die beiden Pfirsiche in vier Teile geschnitten, damit jeder etwas abbekam. Töchterlein, die Pfirsiche nicht kannte, verzog das Gesicht und fragte: „Muss ich den Stoff auch mitessen???“
Kümmel gehört in Weißkraut-Eintopf. „Die Käfer esse ich aber nicht mit!“ Von nun ab wurde nur noch gemahlener Kümmel verwendet.
Als sie15 Jahre alt war, schenkte ich ihr etwas zum Kindertag. Sie guckte mich entrüstet an. Ich setzte erklärend dazu: „auch wenn du selbst schon Oma bist, wirst du immer mein Kind bleiben.“ Spontan antwortete sie: „wie lange willst’n du noch leben?“ Oha, das saß. Ihr wurde aber im selben Moment klar, was sie da eigentlich gesagt hatte. Die Entschuldigung kam prompt. Und heute lachen wir oft darüber.
Ich begrüße meine Enkelin immer mit „meine Mauuuuus“.
Sie (2,5) macht noch Mittagsschlaf. Im Babyphone ist zu hören, dass sie munter wird. Kurz darauf trapst es die Treppe herauf. Da steht sie: im hellblauen Frotteeschlafanzug, die Plüschrobbe in der einen, die Hausschuhe in der anderen Hand und guckt ganz verschlafen um den Vorhang herum. Dann entdeckt sie mich, lässt alles aus den Händen fallen, strahlt über das ganze Gesicht und stürmt auf mich zu „meine Mauuuuus-Omiiiii“.
Und seitdem bin ich die Omi-Mausi.
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Sie war krank, hatte Bronchitis und musste ein Antibiotikum einnehmen. So wie es geschluckt war, kam es sofort wieder. Sie spuckte alles ihrer Mama ins Gesicht und auf den Pullover. Mama machte „huuuuch“.
Sie lacht „Mama was machstn duuuuu ? biste nass?“
*******************************************************Meine Enkelin (5) soll ihr Spielzeug aufräumen. Sie mag nicht … Diskussionen … Lieblings-Antwort ist immer „nein“.
Nach einer halben Stunde ist Oma dann doch etwas am „Meckern“ …
Mit einem sanften Lächeln und einer sehr gut betonten zarten Stimme sagt sie … „DAS … kann man auch gaaaanz freundlich sagen … würdest du BITTE mal aufräumen ...“
Im fast abgelaufenen Jahr 2015 hatte meine Enkeltochter (5) öfters keine Lust zum Aufräumen. Eines Tages packten die Eltern die Puppe Lisabell und anderes herumliegendes Spielzeug in eine Mülltüte (und brachten diese in den Keller … aber psssst).
In der Zeit vor Weihnachten sagte sie oft zu Mama: „Ich wünsche mir, dass der Weihnachtsmann meine Lisabell zurückbringt. Ich habe doch aufgeräumt.“
Nun jaaaa … am 24. Dezember kam Nachbars Weihnachtsmann dahergepoltert und unterhielt sich mit ihr. Sie führte ihm auch ihr aufgeräumtes Zimmer vor und erhielt nun freudestrahlend den Müllsack. Lisabell war endlich wieder da. Nach einem weiteren Kopfstand im Sack tauchte sie empört auf: „Das geht ja gaaaar nicht !!! Ihr habt ja auch meinen Minion-Rucksack weggeschmissen !!!“ … sagte es und verschwand wieder in der Tüte, die im Moment viel interessanter als die Geschenke war.
PS.: Letztens wollte sie wieder nicht aufräumen und Oma bemerkte: "Nun, da werden deine Eltern das Spielzeug wieder in ein Mülltüte stecken müssen" ... Sie darauf: "Pffff ... da bringt mir das der Weihnachtsmann ja sowieso wieder ..."
Tja, liebe Eltern, da müsst ihr euch nun was anderes einfallen lassen ...

